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Agent Bikes Orange MTB Rahmen Testbericht

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Dieser Rahmen ist bis heute recht beliebt, auch wenn nicht stark verbreitet. Nach vielen Stunden Recherchearbeit habe ich mich entschieden und mir diesen Rahmen gekauft. Er wird als sehr steif und extrem wenig beschrieben. Nach mehreren Monaten ausgiebigem Fahren möchte ich nun meine Erfahrungen zu diesem einzigartigen Rahmen teilen. Mal sehen, was von den Versprechen anderer tatsächlich der Wahrheit entspricht…

Dies ist die überarbeitete Version meines ersten Testberichts über den Agent!Bikes Orange Rahmen. Der Bericht basiert auf meinen eigenen Erfahrungen. Getestet wurde ein Orange 2006 (?) Rahmen.
Der Orange war mein zweiter Hardtail Rahmen. Der erste Bericht enthielt nicht so viel Informatives, da ich kaum Vergleich zu anderen Rahmen hatte.
Inzwischen bin ich einige andere Räder gefahren um es zumindest ein Wenig vergleichen zu können.
Ich hoffe mein Bericht hilft dem einen oder anderen auf die Sprünge…
Viel Spaß beim Lesen!

Technische Daten (Herstellerangaben)

Construction: 6061 T6 Aluminiun Double Butted
CNC-Machined Yoke and Gussets
7mm CNC Drop-Outs
Recommended Fork length: 90-130mm
Rear Axle: 10mm oder optional 14mm Converter
Hub Width: 135mm
Tire Clearance: 2.7″
Weight: approx. 2.7 kg
Warranty: 3 years limited warranty
Standard-Colors: Flat-Black or White
TOP TUBE S/M (horizontal): 555mm
TOP TUBE M/L (horizontal): 578mm
HEAD TUBE: 120mm
HEAD SET: 1 1/8″
HEAD ANGLE: 69ø
SEAT TUBE: 305mm
SEAT POST: 31.6mm
SEAT CLAMP: 34.9mm
SEAT ANGLE: 71ø
CHAINSTAY LENGHT: 380-405mm
BB: BMX
BB WIDTH: 68mm

Rahmen

Ich hatte mir den Rahmen gebraucht gekauft und kann daher keine Aussage über die komplette Ausstattung des Rahmens machen, nur über die, die bei meinem Rahmen dabei war.
Meinen Rahmen erhielt ich in mattem Schwarz (Flat-Black) mit 14 mm Ausfallenden, die ich später durch 10mm Ausfallenden ersetzt habe.
Meine Ausstattung hatte sich also auf den Rahmen, die Ausfallenden/Kettenspanner und die verstellbaren und abnehmbaren Felgenbremsenaufnahmen beschränkt.

Die Verarbeitung des Rahmens ist vorbildlich, saubere Schweißnähte, entgratete Kanten. Durch seine kompakte Größe, die seitlich am Oberrohr angeschweißte Hinterbaustreben sowie den dicken Rohren, die zur Konstruktion des Rahmens verwendet wurden, ist der Rahmen sehr steif, was den meisten Dirt/Street Fahrern sicher gefallen würde. Zusätzlich ist der Rahmen mit zahlreichen Gussets versehen, was ebenfalls zur erhöhten Steifigkeit des Rahmens führt.

Der Rahmen besitzt horizontale Ausfallenden, was bei einem Rahmen dieser Art schon Pflicht ist. Zudem wurde er so konstruiert, dass die Kettenstrebe extrem kurz ist, was den Radstand verringert und das Bike wendiger macht. Die Vielseitigkeit des Rahmens runden die verstellbaren Felgenbremsenaufnahmen ab. So kann das Bike auch mit 24 Zoll Rädern ohne Verzicht auf die Felgenbremse aufgebaut werden. Man hat mit diesem Rahmen also zwei Rahmen in einem, für 26 und 24 Zoll Laufradsätze.

Ausstattung

Führungen

Der 2006er Rahmen besitzt vier Führungen zum Verlegen der Kabel/Leitungen/Züge, zwei am Oberrohr, eine am Sattelrohr und eine an der oberen linken Strebe. Drei von vier Führungen sind bei dem 2006er Rahmen, meiner Meinung nach, unglücklich platziert worden. So befinden sich die zwei Führungen am Oberrohr auf der oberen Seite und nicht auf der unteren. Bei mir hatte das zur Folge, dass ich ständig an den Führungen hängen geblieben bin. Daraus resultierten offene Beinprotektoren, angerissene Hosen, oder unvorteilhafte Abstiege vom Bike. Zudem sind die Führungen selbst nicht sonderlich ergonomisch ausgeführt. So kann man bei einer Hydraulischen Bremse die Leitung nicht ohne weiteres verlegen, da man dazu die Bremse auseinanderlegen müsste um die Leitung durch die Führung zu stecken.

Die Führung an der linken oberen Strebe dagegen ist offen und ist so angebracht, dass ein Spalt unten drunter ist. So kann man die Leitung einfach drauf legen und mit einem Kabelbinder befestigen. Wären die Führungen am Oberrohr ebenfalls so ausgeführt und nach unten verlegt worden, wäre das super.

Die Führung am Sattelrohr ist insofern unglücklich angebracht, dass sie am Hinterrad schleifen würde, wenn man dieses zu weit nach vorne schieben würde, was bei mir der Fall war, da ich den Radstand so kurz wie möglich halten wollte.
Ich habe schließlich die drei misslungen platzierten Führungen abgesägt und die Stellen flachgefeilt.

Ausfallenden / Kettenspanner

Am Hinterbau hat sich Agent!Bikes was einfallen lassen. So sind die Ausfallenden folgendermaßen aufgebaut. Der Rahmen besitzt 14mm waagrechte Ausfallenden, die sich aber ohne weiteres nicht nutzen lassen. Sie stellen eher eine Führung für die austauschbaren Ausfallenden dar, die zugleich Kettenspanner, Scheibenbremsenaufnahme auf der linken und Schaltwerkaufnahme auf der rechten Seite sind.

Diese werden dann durch die Muttern des Hinterrades sowie durch jeweils vier Schrauben auf jeder Seite am Rahmen befestigt. Diese austauschbaren Ausfallenden besitzen jedoch nur ein rundes Loch (kein Langloch), sodass sie zuerst über die Hinterradachse gezogen werden müssen und erst dann zusammen mit dem Rad in den Rahmen eingebaut werden. „Schnell mal das Hinterrad klauen“ hat sich mit dieser Konstruktion erledigt, denn man braucht mindestens drei Werkzeuge und einen Haufen Zeit um das Hinterrad auszubauen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Scheibenbremse, unabhängig von der waagrechten Position des Hinterrades in den Ausfallenden, im Bezug auf die Drehachse an derselben Stelle bleibt. Das gleiche gilt auch für das Schaltwerk.

Für 10 Euro kann man bei Agent!Bikes neue Ausfallenden wahlweise mit 14mm oder 10mm Bohrungen kaufen.
Im Endeffekt muss man aber sagen, dass diese komplexe Konstruktion mehr Nachteile als Vorteile bringt. So werden die Ausfallenden des Orange mindestens doppelt so dick wie die eines herkömmlichen Rahmens. Bei meinen Naben hatte dies zur Folge, dass ich die Muttern nur zur Hälfte auf die Achse schrauben konnte.

Die Bremsaufnahme ist alles andere als steif. Schon bei einer 160er Scheibe vibriert und quietscht die Bremse, da die Aufnahme beim Bremsen leicht nachgibt und sich verwindet. Scheibenbremse auf diesem Rahmen ist eigentlich Geldverschwendung. Da würde ich empfehlen, entweder ein brakeless Bike damit aufzubauen, oder die Felgen so auszuwählen, dass man Felgenbremsen nutzen kann. Aufnahmen für Felgenbremsen sind vorhanden. Außerdem wird die Montage des Hinterrads zu einer Ganztagsaufgabe. Man muss auch anmerken, dass die Bremse vor der Demontage des Hinterrads jedes Mal abgeschraubt werden muss. Zudem werden die Langlöcher des Rahmens durch die jeweils vier schrauben mit jeder Demontage und erneuter Montage des Hinterrads beschädigt/verformt.

Die Idee war gut, die Umsetzung ist leider nicht ganz gelungen.

Felgenbremsenaufnahmen

Wie schon erwähnt, besitzt der Rahmen auch Felgenbremsenaufnahmen. Diese sind nicht am Rahmen angeschweißt, sonder lassen sich verstellen und sogar ganz abmontieren. Das ermöglicht, zusammen mit den sehr kurz gehaltenen Kettenstreben und den horizontalen ausfallenden, auch einen Aufbau mit 24 Zoll Rädern, was den Rahmen sehr vielseitig macht.

BMX BB

Ein weiteres Feature des Rahmens ist das BMX BB. Für die einen ein Pluspunkt, für die anderen nur ein weiterer Kostenfaktor. Damit lassen sich herkömmliche BMX Kurbeln und Tretlager an diesem Rahmen verbauen. Die BMX Lager sind stabiler, da sie größer sind. Sie wiegen aber auch mehr, was dem einen oder dem anderen nicht gefallen wird. Für mich persönlich ist das nur ein weiterer Kostenfaktor, da ich mir zusätzlich einen Adapter auf Euro BB besorgen musste um meine FSA X-Drive DH kurbel verbauen zu können. Bei einem Dirt/Street Rahmen, der für die Benutzung mit einer Federgabel ausgelegt ist, ist dieses Feature meiner Meinung nach überflüssig.

Fahrverhalten

Vom Fahrverhalten ist der Rahmen einfach super! Mit einem geeigneten Aufbau, beispielsweise 26 Zoll Laufräder und einer 100 mm Federgabel (in meinem Fall war das eine ROCK-SHOX ARGYLE 318), ist der Rahmen ein Manual-Wunder. Mir ist bis jetzt kein Rahmen untergekommen, mit dem Manuals so einfach zu ziehen und zu halten waren wie mit diesem Rahmen. Ansonsten reagiert der Rahmen auf alle Bewegungen sehr direkt, was auch seiner Steifigkeit gutzuschreiben ist. Eigentlich lässt sich damit so ziemlich jeder Trick gut ziehen, nur bei einem Bar-Spin wird es knapp, da hier das Vorderrad fast an die Pedale und somit an die Füße kommt.
Einsatz mit einer Starrgabel ist eher enttäuschend. Das liegt aber wohl daran, dass der Rahmen nicht dafür ausgelegt ist.

Fazit

Ein Bike aufgebaut mit diesem Rahmen lässt sich super fahren. Die technische Realisierung ist jedoch mangelhaft. Das betrifft jedoch nur die Ausfallenden/Kettenspanner und die Führungen für die Leitungen. Die Geometrie und die Steifigkeit des Rahmens sind hervorragend.
Die umständliche Konstruktion des Hinterbaus hätte man durch Langlöcher für die Scheibenbremsenaufnahme vermeiden können.
Kurze Zusammenfassung der Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Geometrie
  • Horizontale Ausfallenden mit Kettenspanner
  • verstellbare Felgenbremsenaufnahmen
  • für 24 und 26 Zoll Laufräder geeignet

Nachteile

  • BMX BB
  • Scheibenbremsenaufnahme zu weich
  • zu dicke Ausfallenden
  • umständliche Hinterradmontage
mm

Anton Warkentin

1987 in Omsk, Russland geboren - 2000 nach Deutschland gezogen - 2015 Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik - heute Product Owner & Agile Leader


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