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29er Hardtail Riesengröße für kleinen Geldbeutel

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29er Hardtail Riesengröße für kleinen Geldbeutel

Ein Gastbeitrag von Christian Gaal.

29er Bikes sind am Kommen. Wo man hinschaut, sieht man große Räder, die oft ungewohnt, ja fast seltsam, aussehen. Ich habe mich getraut und mal einen 29er probegefahren. In diesem Artikel möchte ich euch von meiner ersten Erfahrung auf dem 29″ Standard erzählen, und ob es sein Geld wert ist.

29er Einstiegsbike: Großer Spass für kleines Geld?

Ich bin schon immer 26″ gefahren (kurz auch mal 24″) und bin von Anfang an eher ablehnend gegenüber einer Laufradgröße gewesen, bei der sogar ein Trekkingrad mit 28″ alt aussieht.
Vor Kurzem konnte ich jetzt ein 29er Hardtail testen. Hierbei handelt es sich um ein Poison R12, in einer für den Radverleih Belori Bikes angepassten Ausstattungsvariante. Diese besteht aus einem XT Shadow long Cage Schaltwerk (9fach),einer normalen 3fach Shimano Kurbel, Avids Juicy 3 Bremsen und einer Rock Shox Recon Silver Tk, die Räder rollen auf Contis Race King 2.2. Die Anbauteile kommen von Controltech.

Also eine solide Ausstattung, das merkt man auch (auch am Gewicht).

So, mit gemischten Gefühlen also aufgestiegen und losgefahren. Klar von den Komponenten weiß man ja was Einen erwartet, aber wie in Drei Teufels Namen soll man auf einem Rad Spass haben können, das jedes Hollandrad bei der Laufradgröße übertrumpft?

Die Antwort: Eigentlich fast so wie mit einem 26″-Bike. Das Positive am 29er ist natürlich die Laufruhe, einmal angetreten rollt man schnell und sehr ruhig vor sich hin. Kleine Unebenheiten werden von den Rädern einfach „weggebügelt“, Kopfsteinpflaster oder ähnliches fährt sich damit wie gebuttert. Auch auf normalen Anstiegen machen die großen Laufräder eine gute Figur; lediglich bei steilen Rampen wünscht man sich in diesem Fall eine andere Abstufung (oder 26″ 🙂 ).

Auf dem Sprung: Werden 29″ bald die Neuen 26″?

Auch Bergab spürt man bei Hindernissen, das sich das größere Laufrad positiv auf die Laufruhe auswirkt. Hier würde ich mir lediglich einen etwas flacheren Lenkwinkel wünschen, um weniger Überschlagsgefühl zu bekommen.

Gerade wenn man 26″ gewohnt ist, wirkt es beim Fahren etwas befremdlich, wenn man das Vorderrad anschaut; irgendwas scheint dort nicht zu stimmen, da ist ja ein riesiges Rad unter mir 😀

Entscheidend ist natürlich das Gewicht des Laufradsatzes. War das bei 26″ schon ein wichtiger Faktor, ist es bei 29″ noch wichtiger. Denn jedes Gramm schlägt sich als Schwungmasse wieder, und muss erstmal ins Rotieren gebracht werden. Hier empfehle ich lieber mehr Geld in den LRS als in einen leichteren Rahmen zu investieren.

Der Trend zu breiteren Lenkern tut ebenfalls gut; damit kommt zusätzlich ein Mehrgefühl von Kontrolle auf.

Das 29er verhält sich in Kurven eigentlich fast wie ein 26er. Natürlich ist es auf ganz engen Spitzkehren nicht ganz so agil, aber prinzipiell gilt: Wo man mit dem 29er umsetzt, muss mann das auch in den meisten Fällen mit einem 26er MTB. Anlieger machen genauso Spass, und es führt gutmütig und kontrolliert ums Eck. Sicher spielt die richtige Reifenwahl dafür auch eine Rolle.

29er in der Kurve: Auch mit großen Laufrädern machts Spass!

Was spricht also gegen 29er?

Zum Einen der Kopf (Warum was Neues, 26er waren bis jetzt auch immer gut), zum Anderen die Optik: Gerade bei kleinen Rahmengrößen schaut die Verbindung zum großen Laufraddurchmesser sehr unpassend aus. Hinzu kommt bei vielen Modellen noch das spürbare Mehrgewicht (aber Vorsicht, oft gibt es schon 29er die leichter als ihre 26 zoll Pendants sind). Die Zubehörpalette ist natürlich noch nicht ganz so vielfältig wie bei 26″, aber wird sicherlich bald die gleiche Größe erreichen.

Fazit

Zum Reinschnuppern und als Ausgleich zum dicken DH-ler ist ein günstiges 29er sicherlich nicht verkehrt.

Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte aber zuvor auf jeden Fall mehrere Modelle Probe fahren; nur so kann man sagen, ob einem der Standard überhaupt taugt und wie sich die Rahmen und Winkel auf die Räder auswirken. Hier kann ein halbes Grad schon sehr viel ausmachen!

Leute, die von ihrer Fitness her nicht ganz so stramme Wadln haben, Kinder und Frauen sind meiner Meinung nach vorerst jedoch noch mit 26″ besser bedient, da die sich durch den geringeren Durchmesser mit weniger Kraftaufwand beschleunigen lassen und hier einfach ein paar Vorteile bieten.


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